Jaja, letzte Woche in Berlin – ihr wisst schon, re:publica – das große Bloggertreffen ohne Kontroversen. Da hat man sich nicht nur getroffen, gehändeschüttelt und gevortragt; es gab auch jemanden der dort für Extrastimmung gesorgt hat.
Kurz zum Hintergrund. Wie bei solchen Treffen durchaus nicht unüblich, gab es ein frei verfügbares, offenes WLan, dass sich offenbar großer Beliebtheit erfreute. Immer wieder konnte man via Twitter und diversen Blogbeiträgen lesen, dass die Verbindung nur sehr instabil zur Verfügung stand.

Nun kann man an diversen Stellen lesen, dass ein jemand auf die schlaue Idee gekommen ist, den Netzwerkverkehr im WLan etwas mitzusniffen (mit speziellen Programmen kann man den Datenverkehr anderer “erschnüffeln”). Da das Netzwerk unverschlüsselt war, kein großes Problem. Und da offenbar die wenigsten sich ernsthaft mit der Thematik auseinandersetzen, gab es auch massenhaft Verbindungen zu unverschlüsselten Mailservern inkl. der unverschlüsselten Übertragung von Passwörtern. Bravo! ;)

Die so gesammelten Passwörter wurden zur allgemeinen Verdeutlichung anschließend über einen Beamer publiziert – nette Show, finde ich. Und auch so traurig, dürften doch auf solchen Treffen primär Leute anwesend sein, die sich selber von “unwissenden” gerne als Geeks bezeichnen lassen und sich auch selbst als solche sehen. Man schiimpft zwar sehr gerne über Datenschutzthemen und diejenigen die Daten speichern und sammeln, sich selbst aber nur im geringsten vor dem Mißbrauch der selbst täglich genutzten Daten zu schützen ist offenbar zu viel verlangt.

Es scheint auch – gerade im Umfeld von Computern und IT – langsam zur Selbstverständlichkeit zu verkommen sich um fast nichts mehr kümmern zu müssen. Aber vermutlich sind die anderen Schuld. Beispiel: Will ich heute zuhause ein Funknetzwerk in Betrieb nehmen, kaufe ich mir einen Router, stecke ihn an und in nicht wenigen Fällen ist er laut Verpackung bereits “vorkonfiguriert”. Habe ich also z.B. ein Laptop mit WLan-Adapter und entsprechenden Einstellungen, genügt es auf’s Knöpfchen zu drücken und ich bin mit dem Router verbunden. Dann noch eben über die mitgelieferte Software die Zugangsdaten des Internet-Providers eingeben und fettich is der Speck.

Dass der Nachbar hinter der Mauer mit seinem Notebook-Adapter ebenso zugreifen könnte scheint außerhalb jeder Warscheinlichkeit zu liegen. Anders kann ich es mir zumindest nicht erklären, dass in meinem Umfeld auch nach Jahren immer noch ca. 50% der Funknetzwerke unverschlüsselt sind. Die anderen 50% sind aber auch nur deshalb verschlüsselt weil AVM seine Fritz!-Boxen seit geraumer Zeit verschlüsselt ausliefert. Dass die Netzwerke immer noch Fritz!Box7050 etc. heissen beweist für mich, dass der Betreiber nicht sonderlich viel Wert auf Änderung der Standarddaten gelegt hat.

Woher kommt eigentlich diese Verantwortungslosigkeit? Ich traue mich fast wetten, dass die Betreiber von unverschlüsselten WLans auch noch den Hersteller der Funkboxen verklagen würde, wenn sich herausstellt, dass so jemand PIN und TANs beim Onlinebanking abgegriffen und das eigene Konto leer geräumt hat. Das kommt ungefähr dem Kauf einer Haustür gleich, die man hinterher aus angeblicher Unwissenheit nicht zuschließt und anschließend den Türhersteller für einen Einbruch verantwortlich macht.

Aber nochmal kurz zurück nach Berlin. Gab’s doch dann wirklich noch so Helden, die nach bekanntwerden der Passwortschnüfflereien über genau dieses unverschlüsselte WLan und die unverschlüsselte Verbindung zum Email-Server das ebenso unverschlüsselte Passwort unverschlüsselt geändert haben…

Irgendwas läuft hier schief.