Internet-Betriebssystem vs. Web-Desktop

Irgendwie kommt’s mir beim lesen diverser englischer Blogs immer mehr so vor, als würde da gerade was falsch verstanden werden. In den letzten Monaten war immer wieder die Rede vom Google OS – von einem mehr oder weniger web-basierten Betriebssystem.

Google würde mit seinen diversen Office-Applikationen ja mehr oder weniger darauf hin arbeiten. So falsch ist das ja nicht, kann man doch letztlich mit Mail, Docs & Spreadsheets, Talk und Groups schon fast ein Business inkl. Kommunikation betreiben. Was dann aber so langsam aus dem Thema Web-Betriebssystem wurde sieht doch eher nach Spielzeug aus, als nach nützlichem Instrument. Zumindest kann ich mir derzeit keine Zielgruppe vorstellen, die ernsthaft einen Flashdesktop brauchen kann, der aussieht wie ein Windows-Desktop. In erster Linie geht es doch bei webbasierten Arbeitsplätzen nicht um die Spielzeugoptik, sondern um den einfachen Nutzen oder? Der dürfte unter aufwändigen Oberflächen mit Flash (die wirklich nicht die schnellsten sind) merklich leiden.

Jooce Flash DesktopErst heute wieder ist bei Techcrunch von Jooce zu lesen, die einen solchen Flashdesktop zur Verfügung stellen. Gleich mehrere dieser Anbieter sind auf den Markt geschossen nach dem Echo außerhalb von Techcrunch zu urteilen, ist die Begeisterung bei den Massen eher gering.

Mal ehrlich – wozu? Mal emotionslos betrachtet ist das ja nichts anderes als eine andere Navigationsstruktur verbunden mit einer etwas anderen Darstellung auf Websites. Durch freies umherschieben der Elemente kann ich quasi aus einer Website ein Schreibtischchaos machen. Emotional betrachtet, mag das den ein oder anderen begeistern, der dürfte aber spätestens bei der vermutlich sehr schwachen Performance merken, dass es viel einfacher wäre jetzt auf einer stinknormalen (mit Ajax-Effekten behafteten) Website rumzuklicken.

Bin ich da etwas konservativ und sehe den großen Gewinn nur nicht, oder gibt es ihn tatsächlich nicht?

10 Gedanken zu „Internet-Betriebssystem vs. Web-Desktop“

  1. Ich bin ganz deiner Meinung. Dieser Flash-Kram ist einfach ein wenig Eye-Candy. Einen wirklichen Nutzen – und um diesen geht es ja auf lange Sicht – kann ich beim besten Willen nicht sehen.
    Das einzige, was eventuell von Nutzen sein könnte, ist – bei konsequenter Nutzung – den selben Desktop auf mehreren Rechnern zu haben (zum Beispiel bei der Arbeit und zuhause).

  2. Den Nutzen habe ich auch noch nicht gesehen, allerdings kann ich mir vorstellen, dass der auch noch kommt… ;-)

    Aber dafür bedarf es einer Sache, die das normale Betriebssystem nicht kann…
    Was das sein sollte, wüßte ich aber auch nicht! Außer vielleicht, dass man sein Betriebssystem so überall mit hinnehmen kann! Wenn man also Spiele und Programme auf diesen Online-Betriebssystemen installieren könnte, dann wirds wieder interessant!

  3. Ich kann mir keinen wirklichen Nutzen vorstellen. Flash ist zu langsam und um überhauptauf so ein WEB-Os zugreifen zu können, muß der genutzt Rechner ja wenigstens schon einmal in der Lage sein eine Netzwerkverbindung aufbauen zu können. Dann muß noch das Ziel aufgerufen werden. Ohne ein minimales Betriebssystem auf dem lokalen Rechner wird es also nie gehen. Oder sehe ich das falsch?

    Wenn es mir wichtig ist meine Daten, Programme und pers. Umgebung mitzunehmen, dann kann ich doch auch mit einem USB-Speicherstick heute überall meine Umgebung nutzen. Ein Beispiel ist hier portableapps.

    Das reicht völlig und das reicht sogar aus um Business zu machen….

  4. der wirkliche Nutzen derartiger Applikationen ist mir bis jetzt auch noch nicht wirklich klar, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sich hier über kurz oder lang ein entsprechendes Anwendungs-Szenario ergibt…

  5. Naja, so wie ich das sehe, liegt der Nutzen eigentlich darin, dass man sich nicht um die Administration der Rechner kümmern muß, des Weiteren nicht um Software-Lizenzen (OOOrg und Co. sind im Business größtenteils noch nicht angekommen und auch nicht hip genug…). Man nimmt einen Thin Client, mit dem man ins Web kann und das war’s. Kein Problem, keine Installation, keine Aufregung.
    Was allerdings mit den eigenen Daten ist, das steht auf einem anderen Blatt…
    Was Flash betrifft, da stimme ich meinen Vorrednern zu. Und ob der Sinn tatsächlich überwiegt, ist auch so ’ne Frage…

  6. es muss nicht immer flash sein :-) mir gefällt die reine dhtml variante auf http://www.oos.cc recht gut. die verfolgen halt den ansatz, nicht unbedingt den desktop zu ersetzen [das wird meines erachtens nämlich auch wirklich nicht möglich sein] sondern einfach nur die möglichkeiten des webs an einer stelle auf möglichst angenehme weise zusammenzutragen. so ists halt dort möglich homepage, fotoalbum, dateifreigaben, etc. alles online zu verwalten. in zukunft wohl auch blog, mails, kontakte, etc. alles sehr spannend.

  7. Vom flash halte ich auch nicht viel. Aber was die dhtml-variante angeht, finde ich es nützich auf einer Seite mehrere Informationen gleichzeitig sehen zu können. So muss man nicht morgens eine Liste der Links nachgehen. Es reicht einen Blick auf einem zurecht geschnittenem webtop. Allerdings finde ich die webtops mit widget-technologie wie iGoogle und Co zimlich kaotisch. Ich ziehe window-orientierte webtops wie Variabilis von http://www.web-windows.de besser.

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