CarPlay im Tiguan 2016

CarPlay – erster Eindruck und Test im VW Tiguan

Vor einigen Tagen hatte ich das Glück einen nagelneuen VW Tiguan für ein paar Stunden fahren zu können. Zweifelsohne eine schönes Auto und für uns in der engeren Wahl – aber das ist ein anderes Thema.

Glücklicherweise war der Tiguan-Vorführwagen ziemlich gut ausgestattet und so konnte ich nicht nur das Active-Info-Display sehen, das jemanden wie mich fraglos begeistert, sondern auch „AppConnect“ testen. So heisst das Produkt bei VW, dass Apples CarPlay, Android Auto und MirrorLink in einem Produkt vereint.

Tiguan 2016 in schwarz mit R-Line-Optik
Der 2016er VW Tiguan (2.0 TSI R-Line)

Bitte entschuldigt die schlechten Bilder. Ich hab eigentlich erst gar nicht damit gerechnet hinterher darüber zu bloggen und daher nur „Schnappschüsse“ mit dem Handy gemacht.

Erster Eindruck von CarPlay im Tiguan

CarPlay funktioniert bei VW aktuell nur mit Kabel. Ich bin nicht sicher ob Apple Wireless CarPlay bereits implementiert hat aber mir konnte (natürlich) auch keiner sagen ob eine zeitnahe Unterstützung bei VW zu erwarten ist. Insgesamt ist die Ahnungslosigkeit auch von sehr jungen Autoverkäufern bei allem was über Bluetooth-Freisprechen hinausgeht immer wieder erschreckend.

Aber gut, man weiss sich ja selbst zu helfen und so hab ich einfach mal ohne große Vorbereitung aber mit etwas Vorahnung ein Lightning-Kabel in die Hosentasche gesteckt als ich den Tiguan beim Händler abholte. Noch vor dem Anlassen des Motors (btw. sehr stylisch, keyless über den großen Anlassknopf in der Mittelkonsole) das Lightning-Kabel in die Mittelkonsole und das Handy (iPhone 6S) ans Kabel angesteckt – und siehe da: CarPlay meldete sich direkt. Sowohl auf dem Auto-Display als auch am Handy erschien direkt eine Meldung die um die jeweilige Freigabe der Daten bat und wenige Sekunden später fand ich mich vor dem „Homescreen“ im Auto-Modus.

CarPlay im Tiguan 2016
CarPlay Apps auf dem Display im Tiguan 2016

Das was dann zu sehen ist, ist schnell erforscht. Neben den Standard-Apps von Apple (Telefon, Nachrichten, Karten, Musik, Podcasts, Hörbücher) befindet sich auf dem Homescreen noch ein Icon mit dem VW-Logo. Das führt direkt zurück ins eigentliche Entertainmentsystem an Bord. Außerdem gibt es von den rund 100 (sehr grobe Schätzung) bei mir installierten Apps ganze vier Stück die über ein CarPlay-Pendant verfügen. Die erscheinen dann auch direkt auf dem Display (in meinem Fall auf der zweiten Seite) das wie gewohnt durch eine Wischgeste erreichbar ist.

Viel Sprache – wenig Text

Das User Interface für CarPlay scheint halbwegs standardisiert zu sein und erinnert an einfache AppleTV-Apps. Es wird dominiert von Listenansichten die mit großer Schrift versehen und gut lesbar sind. Sowohl die Eingabe von allen Texten als auch die Ausgabe von längeren Texten die über Listenansichten hinausgehen, wird weitestgehend vermieden. Stattdessen setzt Apple durch und durch auf Siri. Das ist ganz okay, allerdings potentiell Fehleranfällig – zum Beispiel auch beim Suchen von Routen für die Navigation. Da wird die Heinz-Erhard-Straße auch mal dauerhaft und vehement zur Hans-Gerhard-Straße – Korrektur auch nach dem dritten Versuch nicht möglich. Nicht auszuschließen, dass ich etwas übersehen habe aber hier sollte man wohl nochmal überdenken ob es sinnvoll ist so stark auf die Spracheingabe zu setzen.

Für den Versand von Nachrichten klappt das hingegen wunderbar, so nutze ich Siri jetzt auch schon eine Weile und habe mich wohl selbst schon ausreichend konditioniert um Wörter wie Donaudampfschifffahrtskapitänsanstecknadelnhersteller zu vermeiden.

Tausend mal berührt…

Die Bedienung darüber hinaus ist ganz gut. CarPlay ist in diesem VW-Kontext (hier übrigens im Rahmen des Entertainment-Systems „discover pro“, die größte Variante) sehr flott und responsiv – insgesamt angenehm zu bedienen, die Toucheingabe sehr angenehm. Die große Neuerung für mich im Vergleich zum jetzigen System im Touran ist die Umstellung auf ein kapazitives Touchdisplay, was der Frau des Hauses die Eingabe erschwert (Tipp: Fingernägel sind nicht elektrisch leitend).

Einige der Drittanbieter-Apps wie z.B. Overcast zeigten bei der Benutzung noch Bugs, was vermutlich daran liegt, dass den Entwicklern keine Hardware zum testen zur Verfügung steht.

Integrationspolitik: ausbaufähig

Nun zum Punkt der mich am meisten stört und zumindest in diesem Umfeld fast ein Show Stopper ist. Dazu muss ich etwas ausholen. Der Tiguan ist wie oben erwähnt mit dem Active Info Display ausgestattet. Das bedeutet, dass er dort wo andere Autos einen Tacho, einen Drehzahlmesser und viele Lämpchen haben einfach ein ziemlich großes und ganz gut aussehendes Display sitzen hat.

Das Active Info Display im Tiguan zeigt die Fahrdaten
Das Active Info Display im VW Tiguan 2016

Das ermöglicht nicht nur veränderbare Rundinstrumente sondern auch z.B. die nahtlose Integration einer Navigationskarte in das Display. Nicht nur hübsch sondern wirklich nützlich. Chapeau VW, die Umsetzung ist insgesamt wirklich gelungen. Neben der Navigation (die es im Falle einer Daten-SIM im Auto übrigens auch als Google-Map gibt) lassen sich dort in der Mitte natürlich verschiedene Dinge anzeigen: Fahrdaten, Audi-Informationen (Radiosender, Bluetooth-Infos etc.), Auto-Einstellungen, Informationen der diversen Assistenzsysteme etc.

Das einzige was sich dort nicht anzeigen lässt: Irgend eine Information aus CarPlay. Benutzt man CarPlay zeigen viele dieser sonst so informativen und nützlichen Bildschirme nur so hilfreiche Texte wie „Die Navigation wird derzeit über CarPlay ausgeführt“ sobald man selbige z.B. über die Karten-App startet. Weder eine Kartenansicht noch sonstige für die navigation hilfreiche Texte wird offenbar von CarPlay an das Auto übergeben oder von selbigem ausgelesen. Ich vermag nicht zu sagen ob das die Schuld von Apple oder VW ist in diesem Fall aber es ist meines Erachtens ein Armutszeugnis. Nun hat die Integration von CarPlay schon gefühlt 5 Jahre verschlungen und trotzdem ist sie nur sehr halbherzig.

Ja, ich weiss sehr wohl wie die Mühlen in der Autoindustrie mahlen und dass man im Grunde froh sein muss, dass sie heute schon wissen was USB ist. Dennoch ärgern mich diese Verfehlungen weil sie mir ein ansonsten sehr interessantes Produkt vermiesen.

Von CarPlay abgesehen gibt es nämlich ziemlich wenig was an der Technik im Tiguan auszusetzen wäre. Die Displays sind gut (wenngleich natürlich nicht auf dem Niveau wie wir sie heute aus Smartphones und Tablets kennen), die User Interfaces sind sehr ansprechend und – trotz natürlich enorm gestiegener Komplexität – nach kurzer Eingewöhnung sehr gut bedienbar.

Dazu noch eine ganze reihe faszinierender Assistenzsysteme die zumindest mir viel mehr Lust auf Autofahren machen  auch wenn ich dabei immer weniger fahren muss – aber das würde den Rahmen des Artikels springen.

Mein Fazit für CarPlay

Ich mag den Fakt, dass mein Handy nicht mehr in Sichtweite sein muss und ich die wichtigsten Funktion direkt über das Auto steuern kann. Ich bin intensiver Podcasthörer und hier ist CarPlay dank der Integration meiner Podcast-App Overcast insgesamt ein großer Schritt nach vorne. Solange es aber in anderen Punkten nicht besser integriert ist und die Navigation im VW der von CarPlay ein ganzes Stück überlegen ist (nicht zwangsweise bzgl. der Streckenführung aber auf jeden Fall bzgl. UI/UX) würde ich wohl ausschließlich die Audio-Features nutzen oder hier und da mal eine Nachricht versenden.

Alle Infos zu CarPlay findet ihr bei Apple.

Ähnliche Beiträge

  • Der Aufstieg der Blogwiese

    Bald sind’s zwei Jahre, da hat Cindy alias Steffi (meine bessere Hälfte) angefangen auf der Blogwiese zu bloggen – also weit bevor ich es geschafft habe einen persönlichen Blog zu starten. Ihre Blogkarriere war dabei alles andere als steil. Nach anfänglicher Euphorie hat sie bald die Lust wieder etwas verlassen und die Zahl der neuen…

  • Google Maps für Routenplanung brauchbar?

    In stark frequentierten Regionen ist Google bzw. seine Datenpartner richtig schnell mit der Aktualisierung der Satellitenbilder und Straßeninformationen. Die diversen Umbauarbeiten (hier neuer Holdingpoint Rwy 08L) am Münchner Flughafen zum Beispiel sind teilweise bereits nach wenigen Monaten zu sehen. Die Auflösung dort ist ebenfalls gigantisch.

    Google Maps veraltet

    Im Gegensatz dazu sind in manchen Fällen die ich kenne nicht nur die Satellitenbilder sondern auch die entsprechenden Straßendaten bereits knapp 10 Jahre alt und wurden seit dem Start von Maps vor einigen Jahren nicht mehr aktualisiert. Ein gutes Beispiel findet sich hier rund um meine frühere Wohnung. Dort fehlt ein komplettes Neubaugebiet inklusive der Straßen zwischen den Häusern, einer Umgehungsstraße, etc. Immerhin kennt Google bereits den Kreisverkehr am Ortseingang. Microsoft ist hier mit den live.com maps deutlich weiter.

    Windows Live Maps Gunzenlee

    Hier kennt man immerhin schon die Straßeninformationen – eine evtl. Routenplanung würde hier also deutlich treffsicherer bzw. überhaupt erstmal funktionieren. Leider finde ich keine Möglichkeit direkt zum Kartenausschnitt zu verlinken. Warum wundert mich das nur nicht? ;-)

    Ich bin mir sicher, dass das nur eines von vielen Beispielen für die mangelnde Aktualität der Google-Karten ist – sicher auch ein relativ unwichtiges, aber wenn dauerhaft nur die stark frequentierten Regionen aktualisiert werden, dann wird man sich schwer tun ein wirklich hochqualitatives Produkt zu etablieren. Wichtig ist bei einer solchen Onlineapplikation viel mehr als bei anderen die Aktualität. Solange ich auf herkömmliche Navigationssysteme zurückgreifen muss um halbwegs aktuelle Kartendaten zu haben, macht eine Onlinelösung dafür wenig Sinn.

  • Server-Statistik unter Debian mit Munin

    Heute mal ein kleines Tutorial für Serverbesitzer. Mein favorisiertes Serverbetriebssystem ist seit einiger Zeit Debian. Die Einrichtung eines typischen LAMP-Server (Linux, Apache, MySQL, PHP) gestaltet sich dabei recht bequem – gewisse Linuxgrundkenntnisse natürlich vorausgesetzt. Eines der wichtigen Elemente beim Betrieb eines Server ist es die Performance-Daten im Blick zu behalten um rechtzeitig durch Tuningmaßnahmen oder…

  • Warum man Hotmail (Windows Live Mail) lieber nicht will

    Email ist ja so eine Sache. Das wissen vor allem Administratoren von Mailservern. Da ich damit beruflich schon lange und privat noch viel länger zu tun habe, ist mir das natürlich grundsätlich auch schon lange bekannt. Die Administration eines Mailservers hat durchaus so seine Tücken. Neben der recht komplexen Konfiguration gehört dazu auch die Behandlung…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert