Nokia Bochum schließt und zieht nach Rumänien

Der finnische Handykonzern Nokia hat gestern bekanntgegeben sein (laut Medienauskünften) hochprofitables Werk in Bochum im Sommer 2008 schließen zu wollen. In Folge dessen werden über 2000 Angestellte ihren Posten verlieren. Dazu kommen weitere Stellen bei Zulieferern, die dadurch vermutlich nicht mehr finanziert werden können. Als primären Grund führt Nokia (natürlich) die hohen Kosten für Mitarbeiter an. Man will sich in den Osten Europas – vermutlich nach Rumänien. Was mit den eingestrichenen deutschen Subventionen ist angeblich noch ungeklärt – es ist jedoch zu bezweifeln, dass Nokia davon irgend etwas zurückzahlen muss. Ich bin gespannt wann unserer Wirtschaftsfreundliche Politik endlich mal über Änderungen im Subventionsbereich nachdenkt. Wenn man sieht wie viele Subventionsgelder in der Vergangenheit in der Luft verpufft sind wird einem regelrecht schlecht. Welche Politiker von den Gegenleistungen für die vielen Subventionszusicherungen sein Privatleben subventioniert haben würde mich schon mal interessieren.

19 Gedanken zu „Nokia Bochum schließt und zieht nach Rumänien“

  1. Ja, das Thema aus meiner Nachbarschaft bewegt mich natürlich auch, obwohl ich nicht betroffen bin. Das WDR-Fernsehen brachte gestern Abend nach der Tagesschau eine Sondersendung dazu, und da wurden mal die Produktionskosten für ein Handy mittlerer Klasse (etwa 300 € ohne Vertrag) aufgeschlüsselt. Die liegen demnach bei 25 €, und die Lohnkosten machen dabei nur 4% (!) aus. Warum also ist Deutschland nicht konkurrenzfähig? Sind die Lohnkosten in Rumänien nur 1%?

    Ich hoffe, NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) macht seine (angedeutete) Drohung war und fordert die Landesmittel zurück. Die Bindungsfrist ist ja schließlich eben erst abgelaufen :(

  2. Naja genau das wird aber das Problem sein – sie IST eben abgelaufen. Ich weiß nicht genau wie lange sie war, aber das is ja nicht das erste mal, dass es so läuft. Ich kann nicht verstehen, dass man die Unternehmen nicht länger bindet. Oder man weiß ohnehin von vornherein wie’s läuft und nimmt’s billigend in Kauf.

    So oder so – laut dem ARD/ZDF-Interview mit Rütgers waren das ingesamt immerhin 83 Mio. Euro. Dazu kommt, dass der Standort hochprofitabel war – die ganze Aktion war also ein großer Gewinn für Nokia und vermutlich eine Draufzahlaktion für das Land bzw. den Bund. Jetzt geht man in den Osten und erhöht damit die Gewinne gleich nochmal. Bleibt nur zu hoffen, dass der damit verbundene Imageschaden zumidnest spürbar wird für Nokia – glauben kann ich’s irgendwie nicht so richtig.

  3. Imageschaden? Na ja, jetzt hauen erst mal alle empört auf die Finnen, aber die Handys sind nun mal mit das Beste, was der Markt zu bieten hat. Der ein oder andere wird jetzt vielleicht bei einer Vertrags-Verlängerung oder einem Neuabschluss bewusst nicht zu Nokia greifen, aber die Mehrheit wird da keine Kompromisse machen wollen.

    Da u.a. auch Rumänien recht neu in der EU sind, zahlt die natürlich fleißig Subventionen. Und wenn die dann abgeschöpft sind, wird der Konzern weiter ziehen. Auf zu neuen Subventionen von Land, Bund, EU… Irgendwas machen wir verkehrt…

  4. Das ist der Grund warum ich schrieb „glauben kann ich’s irgendwie nicht so richtig.“

    Natürlich wird es keine Nachhaltigen folgen für Nokia haben. So übel das klingt aber die breite Masse der Handy-Checker nimmt solche Bad-News vermutlich eh gar nicht wahr.

    Bzgl. der Subventionen: 100% Ack. Das da was verkehrt läuft wissen wir und vor allem die Verantwortlichen aber mindestens seit sie Milliarden in Projekte auf dem Boden der ehemaligen DDR versenkt haben (Cargolifter, Binnenhäfen, etc.).

  5. Normalerweise sind Subventionen an bestimmte Bedingungen so das wenn diese nicht erfüllt werde, die Subventionen zurückgezahlt werden. Also glaube ich, daß es kein Problem der Subventionspolitik ist, sondern der definition der Bedingungen.
    Ausserdem giebt es auch genug gute beispile der Subventionierung, wie z.B. AMD Werke.

    Und gegen Billiglohn länder kann man nichts machen ausser deren Lebenstandart zu heben ;) wozu der neuen Werk beitragen soll. :)

  6. @managermind: Sicher waren auch die Subventionen für Nokia an bestimmte Bedingungen gebunden. Aber nur befristet, und diese Frist ist kürzlich abgelaufen. Es gibt leider keine rechtliche Handhabe gegen die Art von Subventions-Nomaden. :(

  7. Nachdem Nokia rund 88 Millionen Euro als Fördergelder „kassiert“ hat, wird nun das Werk in Bochum geschlossen. Interessant dabei ist die Tatsache, dass der Vertrag erst vor kurzer Zeit ausgelaufen ist. Begründet wird der Schritt mit zu hohen Lohnkosten, dabei machen die Lohnkosten jedoch nur 5 % vom Gesamtpreis eines Handys aus. Die Produktion soll jetzt nach Rumänien verlegt werden – hier sind die Löhne um den Faktor 10 günstiger. Es ist nur eine Frage der Zeit bis Nokia auch dort den Standort schließt, um zum nächst attraktieveren Ziel zu wandern. Dagegen ist rein ökonomisch nichts einzuwenden. Jedoch sollte Nokia bedenken, dass hier immense Fördergelder aus Steuermitteln geflossen sind. Dies wird in Rumänien vermutlich ähnlich sein.
    Es gab eine Zeit, da trugen die Unternehmen eine Verantwortung für Ihre Mitarbeiter, denen Sie ja den Gewinn zu verdanken haben. Immerhin hat Nokia an der Börse gut zugelegt und die Gewinne sind auch nicht mager. Große Firmen sollten mehr Verantwortung übernehmen, anstatt den Gewinn bis ins Unendlich zu steigern. Hiervon profitieren nur wenige.

    Berücksichtigen sollte Nokia auch den Konsumenten. Viele Konsumenten werden jetzt auf andere Marken umschwenken, um Nokia nicht zu unterstützen.
    Unterstützen Sie die Belegschaft und schreiben Sie Ihre Meinung an press.office@nokia.com .

    Die Politik von Nokia steht in direktem Widerspruch zu den Aussaugen und Slogans für eine bessere Kultur.
    NOKIA – DIS CONNECTING PEOPLE in Bochum

  8. Ich finde es einfach unglaublich, was dort passiert. Und ich bin nicht der Meinung, dass das ökonomisch ok ist. Ich glaube auch an soziale Verantwortung von Unternehmern.

    Ich bin durchaus ein wirtschaftsfreundlicher Kopf und gedanklich eher konservativ zu Hause, aber solches Verhalten ist absolut daneben – egal, ob dabei irgendwo ein paar Millionen gespart werden können oder nicht.

    Ich denke, dass man im Sinne einer sozialen und auch einigermaßen freien Marktwirtschaft, seinen Unmut gegen solche Vorgehensweisen ganz klar deutlich machen muss. Sonst kommen ganz schnell die nächsten gefühlskalten Zahlenknechte aus ihren Löchern und machen das nach.

    Hier sollte der gesunde Menschenverstand handeln. Und zwar auf ganz breiter Basis.

    Ich meine:

    Wenn NOKIA Deutschland nicht mehr braucht, braucht Deutschland auch NOKIA nicht mehr! Und tschüß…
    Ich mache mit, beim Markenwechsel!

    Shell hat seine verunglückte Bohrinsel später auch an Land entsorgt, nachdem die Tankstellenumsätze fast um 50% zurück gegangen waren. Wir haben verstanden….
    Der Verbraucher hat durchaus eine Macht.

    Der Tom

  9. Passend zur sozialen Verantwortung war heute in der WAZ eine Karikatur mit der Überschrift „Rabenmutter“ abgedruckt:

    Die Mutter (Schriftzug „Nokia“ auf dem Kleid) verlässt mit Sack und Pack die Wohnung und lässt einen Haufen Kinder zurück. Sprechblase, der Mutter zugeordnet: „Vater Staat wird sich schon um euch kümmern“.

    Soviel zum Thema „Soziale Verantwortung“ von Konzernen. Die zahlen aus der Portokasse ein paar Abfindungen, wenn überhaupt.

  10. Ähnlich lief es hier bei Berlin ja auch mit dem Bildröhrenwerk von Samsung. Erst reichlich Subventionen abgegriffen, Produktion mit Absicht nicht auf TFTs umgestellt und dann das Werk geschlossen. Es ist immer das selbe Prinzip – Heuschrecken eben…

    Der Konsument vergißt sowas schon nach kurzer Zeit und beim Kaufentscheid spielt dann die beschissene Konzernpolitik keine Rolle.

    Hier ist der STAAT gefragt, Firmen mit solch widerwärtigen Praktiken und NULL Verantwortungsgefühl für Mitarbeiter sollten mit 200% Einfuhrzöllen belegt werden, dann überlegen die sich so eine Nummer zweimal … aber der MARKT (Kapital) ist ja liberal und soll so bleiben, und am Ende wird Deutschland dann nicht mal mehr ein sinnvoller Absatzmarkt sein weil wir alle den Kit aus den Fenstern fressen – dann haben unseren Politikerflaschen alle Trümpfe verspielt. Niedriglohnland sind wir eh schon aus sich vieler unserer Nachbarn…aber die ziehen wir auch noch runter – keine Sorge.

    Prost Mahlzeit

  11. Pingback: tobe or not to be
  12. Solidarität mit Bochum

    Standortverlegungen trotz hoher Produktivität und Gewinnen
    sind die zynischen Auswüchse des Turbo-Kapitalismus.

    Die Politik ist machtlos.

    Die einzige Macht liegt in der internationalen Solidarität
    und im Verhalten der Verbraucher.

    Der Tankstellen-Boycott von SHELL im Jahr 1995 hat gezeigt
    – Widerstand ist erfolgreich.

    Bitte benutzen Sie dieses Logo überall: im Internet, in Blogs
    und auf der Straße um NO zu NOKIA zu sagen.
    http://www.art-mix.de/boycottnokia/index.html

    Rolf Spiess, Künstler und Grafiker aus Sindelfingen ist Autor
    dieses Logos/Aufrufs und gestattet ausdrücklich die uneingeschränkte
    Nutzung dieses Logos.
    Für die professionelle Nutzung (Druck auf T-Shirts oder Bannern
    ist der Erhalt der Vektor-Datei möglich: boycottnokia@rolf-spiess.de.
    Wenn es Ihnen möglich ist wird um ein Honorar gebeten.

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  16. Ich bin auch für einen Nokia Boykott.
    Ich denke nur das dies bei Nokia einkalkuliert ist wenn der Boykott nur einige Monate andauert.
    Ein Boykott hat nur Sinn wenn er solange andauert bis es zu neuen Quartalszahlen kommt,
    also bis zum Weihnachtsgeschäft. Die Aktionäre müssen es spüren, dann tut sich etwas.
    Es funktioniert nur durch Nachhaltigkeit.
    Wer erinnert sich noch an Mannesmann und Vodafon? Oder an den Stellenabbau der Deutschen Bank?
    Oder BenQ mit den Siemens-Handys.
    Ohne absoluten nachhaltigen Boykott hat es sicherlich keinen Zweck.

    Igor

  17. Genau da sehe ich das Problem. Jetzt schimpfen alle und schreien nach Boykott, in 2 Monaten läuft dann der Handyvertrag aus und zur Verlängerung darf es dann ein N95 sein. Zweifelsohne kein schlechtes Gerät, aber der Boykott wird nur einige Wochen dauern. Das hatten wir in der Vergangenheit zu oft…

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