Videos im Internet – die Zukunft des TV?

Wie auch andere schon bemerkt haben, haben Sevenload und T-Online heute ihre Kooperation bekannt gegeben. Ibo hatte mich deswegen per Skype angeschrieben, aber noch bevor ich antworten konnte, war er auch schon wieder offline. Gerade eben las ich nun die Ausführungen von Robert zu diesem Thema.

Das erinnerte mich an einige Gedanken, die ich mir vor zirka einem Jahr schon mal zu diesem Thema gemacht habe. In einem Gespräch mit Ibo habe ich damals über diese Gedanken gesprochen und habe neben Verständnis für meine auch einiges über seine teilweise recht innovativen Ideen erfahren. Schon damals stand ein größerer Relaunch vor der Tür, der leider bis heute nicht passiert ist. Wie man seit einiger Zeit in Roberts Werbebannern sehen kann, soll es ja im März nun soweit sein. Ich bin gespannt.

Ingesamt gebe ich Robert recht. Nicht nur Sevenload — nein, der ganze Online-Video-Markt scheint seit einigen Monaten still zu stehen oder sogar einige Schritte nach hinten zu machen – zumindest könnte man den Eindruck gewinnen, wenn man von Videoportal-Schließungen wie der unlängst bei DivX (Stage 6) oder diversen anderen hört respektive liest. Da stellt sich tatsächlich die Frage: Wo ist sie denn nun, die Fernsehalternative, das TV der Zukunft? Nicht bei YouTube, my Video, Clipfish, Sevenload oder wie sie sonst noch heissen. Den bisher noch größten Schritt in Richtung Fernsehen der Zukunft hat meines Erachtens das ZDF mit der Mediathek geschaffen. Dort gibt es Inhalte aus dem normalen Fernsehprogramm gepaart mit zusätzlichen Inhalten in hoher Qualität und guter Benutzerführung jederzeit kostenlos abrufbar – Plattformunabhängig (ja, das muss man erwähnen, das ist immer noch nicht selbstverständlich).

Alle anderen Anbieter können leider nach oberflächlicher Betrachtung noch nicht überzeugen. Was mir bis heute noch fehlt sind qualitativ hochwertige Inhalte. Da wären z.B. Screencasts aller Art. Klar, dafür brauchts mehr als ein bissl verpixeltes 640×480-Video. Technisch ist das möglich und selektiv eingesetzt dürfte es auch kein wirkliches Bandbreitenproblem sein. Das ist typischerweise auch Content für den man Geld verlangen kann, sollte also auch diesbzgl. kein Problem sein. Video2Brain sonnt sich hier neben einigen wenigen Videotrainings von Galileo seit geraumer Zeit an einem offenbar bisher unentdeckten Strandparadies. Im Gegensatz zum Galileo-Verlag bieten die Österreicher jedoch mittlerweile auch bezahlte Onlinetrainings an. Zugegebenermaßen tun sie das in einem Format, dass weit über normales Video-Hosting hinaus geht, der Erfolg zeigt jedoch, dass definitiv ein Markt dafür vorhanden ist. Wissenstransfer gehört meines Erachtens ohnehin zu den wichtigsten Segmenten im guten altern Internetz.

Aber ich will gar nicht zu weit abschweifen – wo liegt nun die Zukunft des Fernsehens. Im Handy-TV? Ich glaube nicht. Nicht ohne Grund bewegt sich auf diesem Segment offenbar auch recht wenig – die Zielgruppe dafür fehlt wohl einfach. Ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass die über Kids, die sich heute schon irgendwelche „Ich zeig Dir meinen nackten Arsch zeig Du mir Deinen“-Videos via YouTube auf’s Handy streamen, hinaus geht.

Die einzig vernünftige Zukunft liegt in meinen Augen immer noch – und die Idee ist alles andere als neu – im Video on Demand. Was interessieren mich in der heutigen Zeit noch ernsthaft Sendezeiten, wenn schon längst die Infrastruktur dafür zur Verfügung steht sich komplette TV-Serien, Spielfilme oder sonstiges über’s Netz auf den heimigen Ausspieler zu ziehen und bei Bedarf zu gucken. Das einzige was uns wirklich noch davon trennt ist die Geldgier der Rechteinhaber. Es steckt einfach eine riesige Industrie dahinter, die den Arsch voll hat nicht mehr genug Geld zu verdienen. Das was uns heute an Werbe- und Belangloseinhaltemist im Breiten-TV vorgesetzt wird ist gelinde gesagt eine Frechheit – dafür aber reichlich untermalt mit gewinnbringenden Werbespots. Es geht schon lange nicht mehr um den Zuschauer, schon lange nicht mehr um Qualität oder darum ein vernünftiges Produkt anzubieten – egal ob Pay- oder Free-TV von vorne bis hinten nur Beschiss. Dabei ist das Zwangs-Pay-TV in Form der öffentlich rechtlichen Sender noch fast das geringste Übel. Der Rest sendet frei nach dem Motto „so lange keiner da ist, der’s besser macht können wir ja Problemlos weiter unseren Müll versenden und mit Werbung voll stopfen“.

Ach was — ich schreib‘ schon wieder viel zu viel. Ihr wisst schon was ich meine…

3 Gedanken zu „Videos im Internet – die Zukunft des TV?“

  1. Obwohl ich selbst mitwirke frage ich mich auch oft, wo denn nun genau der große Vorteil von InternetTV sein soll. Ich glaube fest daran, dass die nun gestärkten Marken auf Dauer selbst Produktionen angehen müssen.

    YouTube ist eine mächtige „Sendeanstalt“, doch hat sie ein Gesicht? Gibt es eine Sendung mit dem Label Youtube? Die Plattformen konnten nun lange Erfahrungen mit den Communitys sammeln und sollten wissen für was sich ihr neues Publikum interessiert.

    Ich frage mich schon lange warum es noch keine eigenen YouTube Show gibt. Mit den Machern der erfolgreichsten Clips aus aller Welt, welche alle eingeladen werden. Stattdessen preschen nun die alten Sendeanstalten mit ihren Archiven ins Netz und man ist dankbar für jeden Schnipsel der BBC.

    Warum nicht selbst Dokus, Tests, Interviews, Stars, Kurzfilme, Talks usw. produzieren? Hier steckt ein so großes Potential, aber es ist wahrscheinlich noch ein weiter weg.

  2. Die Aufgabenstellung heißt nicht Videos im Internet vs. Fernsehen. Den Kasten im Wohnzimmer wird es weiter geben. Die klassische Fernsehindustrie ist sich im Moment auch noch einig, was das Zusammenspiel von Sendern, Mediaanalysen und Werbezeitvermarkter betrifft. Das Zusammenspiel hat lange funktioniert. Diese Strukturen gilt es aufzubrechen. Z. B. Videoviews vs. Einschaltquote. Letzterer ein Wert den keine Wirkforschung näher analysieren möchte. Warum gibt es keine Zahlen der im Werbeblock differenziert? Die Leistung von Videos im Internet wird u. a. darin bestehen, daß neue Maßstäbe gesetzt werden. Direkte Resonanz, tatsächlich zu zählende Zuschauer, sofort zu äußernder Kritik ausgesetzt zu sein, haben ein enormes Potential. Auch für die Wirtschaft. Und: der Fernsehkasten wird nicht mehr lange auf die bestehenden Sender beschränkt sein. Dann ordnen sich die Programmzeitschriften neu. Nur: die Produzenten aus dem Internet haben eben dieses im Hintergrund. Und das ist ein enormes Potential (hier muß ich mich leider wiederholen). Richtig ist auch: Die Gretchenfrage ist der Content. Daran arbeiten wir. Und auch hier wiederhole ich mich: Ich will nicht mit Werbung überschüttet werden, aber ich will wissen, wie es geht, eine Solaranlage auf meinem Dach in Betrieb nehmen zu können. Und nicht nur wie, sondern auch wo ich das bekomme.

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