KDE4 – Was geht ab?

Lustig irgendwie – meine ersten Versuche mit KDE4 (mit einer Live-CD und einer Testinstallation) waren mehr als ernüchternd und decken sich mit dem was man quer durch deutsch- und englischsprachige Blogs und Foren liest: Der sog. Final release von KDE4 geht nicht mal als Alphaversion durch.

Es fehlen Icons, Anwendungen stürzen ab, andere starten erst gar nicht. Alles in allem scheint der Release der endgültigen Version mehr eine PR-Aktion zu sein, als ein ernstzunehmender Release. Ok, zugegebenermaßen bin ich als Gnome-Freak nicht unbedingt derjenige, der über KDE aus Erfahrung berichten kann, aber es geht hier ja nicht nur um meine subjektiven Eindrücke. Eigentlich müsste man nach all diesen schlechten Dingen nun damit rechnen, dass das Team um KDE daran sitzt schnellstmöglich diese Unmenge an Bugs und Problemen behoben zu kriegen und KDE4 benutzbar zu machen. Auch würde wohl keiner damit rechnen, dass früher als in 2-3 Monaten ein funktionsfähige Version verfügbar sein wird.

Irgendwie scheint das aber anders zu laufen als man denkt. Bei Sebstian Kügler habe ich eben die „kleine“ Feature-Todoliste für den nächsten Release (Version 4.1) im Juli 2008 gelesen:

So what’s in the pipeline for KDE 4.1? Let’s see:

* Mac Port
* Windows Port
* OpenSolaris Port
* Plasma with widgets on canvas, makes things like layouting much easier, and generally integrating widgets into plasmoids
* Webkit in plasma
* Apple dashboard widgets support in Plasma
* Decibel VOIP and real-time communication framework
* Dragon Player multimedia player
* More polished kopete
* KDevelop and KDevplatform
* KDE-PIM, based on Akonadi
* GetHotNewStuff2 / DXS
* Plasmagik plasma packages and add-on creator
* Lots of smaller features

Ich frage mich gerade wie man sich ernsthaft Gedanken drum machen kann so eine Menge Features in nicht mal 6 Monaten funktionsfähig zu kriegen, anstatt erstmal die Unmengen vorhandener Probleme in den Griff zu kriegen.

Disclaimer: Ich bin wirklich kein KDE-Fan. Mit KDE3.x und seinen Vorgängern konnte ich mich nie wirklich anfreunden. Dennoch sehe ich einige Vorteile von KDE gegenüber Gnome und behaupte immer mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. KDE4 klingt grundsätzlich mehr als interessant. Somit ist dieser Post bitte nicht als Rant gegen KDE zu verstehen. Ich tu mir lediglich schwer, die Politik zu verstehen (früher, verbuggter Release, schnell folgende weitere Funktionspläne statt Bugfixing).

11 Gedanken zu „KDE4 – Was geht ab?“

  1. Deine Erfahrungen decken sich mit meinen. Im Planet-KDE-Feed bekam ich von Roland Wolters folgende Roadmap:

    * January – KDE 4.0.1
    * February – KDE 4.0.2
    * March – KDE 4.0.3
    * April – KDE 4.0.4
    * May – KDE 4.0.5
    * June – KDE 4.0.6
    * July – KDE 4.1.0
    * August – KDE 4.1.1

    Da frage ich mich wirklich, wie das weiter gehen soll… Und ich bin KDE-Anwender, aktuell nutze ich 3.5.8.

  2. Ja eine seltsame Entwicklung. Ich finde vor allem die Argumentation der »KDE-Jünger« befremdlich, die auch dort in der LinuxCommunity unter dem Artikel zu lesen ist. Frei nach dem Motto „früher gab’s auch schon ein Release-Chaos, also ist das völlig legitim.“

    Ich bin nicht sicher wieviel man sich dadurch kaputt macht, aber ich find’s schade. Schließlich wurde KDE4 ja mit großem getöse released. Auf unzähligen Linuxblogs und anderen Websites fanden sich die Countdown-Grafiken und vermutlich haben nicht wenige dem Release Hoffnungsvoll entgegengefiebert.

    Naja mal sehen was passiert.

  3. Bei den Reaktionen habe ich auch nur mit dem Kopf schütteln können.

    Ich selbst habe auch einen Blogeintrag zum Erscheinen von KDE4 veröffentlicht. Da habe ich aber schon geschrieben, dass ich mit dem Einsatz warte, bis KDE4 bei den Distibutionen Standard ist. Wenn ich mir aber die Roadmap ansehe, gruselt es mir vor Kubuntu 8.04…

  4. Ja, für Kubuntu 8.04 (Hardy Heron) wird wohl KDE4 noch kein wirkliches Thema sein. Vor Version 8.10 erwarte ich da persönlich keine Wunder. Ich muß aber auch immer wieder wiederholen, dass ich wirklich kein KDE-Experte bin. Ich arbeite von Anfang an mit Gnome und fühle mich da grundsätzlich auch sehr wohl.

  5. Soweit ich weiß, soll es für Kubuntu 8.04 im Gegensatz zu Ubuntu kein LTS geben, dafür eben KDE4. Nun gut, ich fahre hier Sidux, und in den Repos ist KDE4 auch bereits vorhanden. Ich scheue mich aber wirklich noch, das zu installieren.

    Das Problem soll ja sein, dass bereits portierte Anwendungen nicht vernünftig laufen. Alte KDE3.5-Anwendungen sollen keine Probleme machen. Da kratze ich mich doch wirklich mal am Kopf…

    Das einzige, was mich an KDE4 zur Zeit reizt, ist AmaroK2. Das sollte eigentlich auch schon für KDE3.5 zur Verfügung stehen, statt dessen hat es aber nur wieder ein Update für AmaroK1.4 gegeben.

  6. KDE 4.0.0 hat noch eher Beta-Status, das wird auch von den KDE-Entwicklern eingeräumt. Wenn man sich allerdings anschaut, wie das Bugfixing und auch die allgemeine Entwicklung an Fahrt gewonnen haben, dann scheint die Strategie aufzugehen. Ich habe keine Erfahrung mit .0 Releases, aber bei Gnome war 2.0 ja auch nicht sonderlich berauschend, wenn man dem glauben darf was man im Internet so liest

  7. Die Vergleichsmöglichkeit zu Gnome 2.0 fehlt mir leider auch, den eingeräumten Beta-Status der Entwickler kann ich dennoch nicht verstehen. Schließlich hat man trotz eklatanter Mängel (die allesamt bekannt waren) das Release-Datum groß angekündigt (Countdownwidgets, etc.) und den Release selbst (auch in Entwicklerblogs) groß gefeiert. Da muss man sich dann einfach die Qualitätsdiskussion liefern.

    Ich denke das ist aber eher ein grundlegendes Problem, da solche Vorgehensweisen sämtliche Qualitätsdiskussionen bzgl. OpenSource ad absurdum führen. Aber das führt nun vielleicht etwas zu weit ;)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.