Ich habe eine Weile überlegt, ob ich darüber bloggen soll oder nicht, hab mich nun letztlich aber doch dazu entschlossen. Am Freitag gab’s also die erste Niederlage der Saison im zweiten Spiel – gegen den Aufsteiger aus Kaiserslautern. Eine Situation die dem Desaster von Mainz im letzten Jahr ein klein wenig ähnlich ist, aber nur ein klein wenig. Damals war es das dritte Spiel der Saison aber auch das vor dem Ende der Transferperiode. Als Ergebnis dieses Desasters gab es damals Arjen Robben und wir wissen alle wie sich die Saison danach entwickelt hat.
Der große Unterschied in diesem Jahr ist die Tatsache, dass das System van Gaal schon längst etabliert ist, die Vorbereitung in der zeitlich Ausdehnung zwar nicht gerade komfortabel war, aber man merkt der Mannschaft doch an, dass sie grundsätzlich funktioniert. Auch hat man natürlich gemerkt, dass noch nicht alles rund läuft. Das wurde nicht zuletzt im Pokal gegen Germania Windeck klar oder auch zu Beginn der zweiten Halbzeit gegen Wolfsburg.
Bei der Niederlage am Freitag war das hingegen gar nicht so klar. Vielmehr wurden andere Dinge noch deutlicher, die auch bereits in den vorangegangenen Spielen sichtbar waren und im Rückblick auch ein Stück weit für die letzte Saison gelten. Was den Bayern seit geraumer Zeit fehlt ist die Torgefahr. Anders formuliert: Ohne Arjen Robben sinkt die Torgefahr um mind. 50%. Betrachtet man den oft so als “gut ausgestattet” bejubelten Sturm, will das auch nicht so recht verwundern. Klose trifft zwar in der Nationaelf, bei den Bayern jedoch schon lange nicht mehr so richtig. Das gleiche gilt für Gomez der zudem durch seine negativ erscheinende Körperhaltung, Unsicherheit am Ball und andere Widrigkeiten glänzt. Inwiefern das bei beiden auch ein Stück weit am System FC Bayern liegt, das unter van Gaal und nicht zuletzt durch den Einkauf von Arjen Robben doch sehr stark verändert wurde, ist unklar, wäre aber zumindest möglich. Im Ergebnis bleibt aber nur zu erkennen, dass es mit beiden nicht so richtig funktionieren will beim FCB. Der dritte im Bunde ist Ivica Olic. Ein wahnsinnig sympathischer und ehrlicher Spieler. Ein Kämpfer vor dem Herren – die 1-Mann-Büffelherde des FCB. Ein richtig wertvoller Spieler der im Strafraum für ordentlich Unruhe sorgen kann – wer er seinen guten Tag hat. Das kann er natürlich auch nur dann wenn er dort eingesetzt wird. Warum ihn van Gaal immer wieder zurückgezogen hinter der Spitze einsetzt ist mir völlig unklar. Er ist in meinen Augen weder links noch rechts geschweige den in der Mitte der 3er-Offensivreihe hinter der Spitze brauchbar sondern nur als einzige Spitze im 4-2-3-1 oder als zweite Spitze neben einer weiteren. Am Freitag gegen Lautern wurde das einmal mehr deutlich. Ivica kann Kämpfen und Knipsen, aber er kann eines nicht: mit dem Ball spielen. In jeder Zweikampfsituation merkt man ihm von der ersten Sekunde an, dass er keinen Plan hat wo er mit dem Ball hin möchte; der Ausgang der Situation ist damit alleine dem Zufall überlassen. Selbst ohne Gegner ist der mit der Ballkontrolle oft überfordert. Aber: Ich finde das ist auch in Ordnung – wenn er richtig eingesetzt wird.
Am Freitag hat Louis der Erste also auf Toni Kroos verzichtet und hat stattdessen Olic mit Müller irgendwo zwischen Zentrale und rechts außen zum Einsatz gebracht – das Ergebnis war mehr als deutlich: fehlende Kreativität, viele unnötige Ballverluste und aus den wenigen Möglichkeiten ist nichts geworden, weil die Einzige Sturmspitze Klose sich allzu oft irgendwo anders aufhält als er eigentlich soll – meist zurückgezogen/gefallen außerhalb des Sechzehners. Auch wenn das Ergebnis nicht besser war wurde zum Ende der zweiten Halbzeit nach der Einwechslung von Toni Kroos mehr als deutlich, dass es sinnvoller gewesen wäre von Anfang an so spielen zu lassen. Olic ist in der Dreierkette hinter der Spitze maximal eine Notlösung – Toni Kroos ist jetzt schon ein sehr guter Spielmacher, der sich sicher noch entwickeln muß, aber er ist auf dieser Position das beste was wir haben.
Was uns eindeutig fehlt ist eine erstklassige Sturmspitze. Klar war Gomez teuer und er ist auch sicher irgendwo ein guter – beim FC Bayern im Systen FC Bayern ist er es leider nicht. Miro Klose ist sicher auch kein schlechter aber auch er beweist seit längerer Zeit, dass die Zeiten seiner Kaltschnäuzigkeit vorbei sind.
Und das beste ist: Das ist keine Sache, die erst in Kaiserslautern klar wurde. Auch gegen Wolfsburg blieb das wichtige zweite Tor in der ersten Halbzeit aus, obwohl man das Spiel mehr als deutlich im Griff hatte. Prompt hat man sich in Hälfte zwei das Spiel aus der Hand nehmen lassen und unterm Strich wärs beinahe in die Hose gegangen. Im Pokal gegen Germania Windeck konnte man das Ergebnis auch erst dann deutlich gestalten als der Gegner (wohlgemerkt ein unterklassiger Dorfverein – bei allem Respekt) bereits körperlich am Boden war.
Nach einer erfolgreichen Saison mit Meisterschaft, Pokalsieg und Champions-League-Finalteilnahme könnte man von einem Verein mit hohen Zielen eigentlich erwarten, dass früh im Sommer mit gezielten Transfers die Schwachpunkte in der Mannschaft verstärkt und Spieler die sich ggf. als unpassend erwiesen haben verkauft werden. Das alles ist beim FC Bayern in diesem Jahr nicht passiert. Während die Aussagen von Nerlinger & Co. am Ende der letzten Saison noch solche Transfers andeuteten (sinngemäß: “Wir werden uns nur punktuell Verstärken um Schwachstellen auszugleichen, große Transfers sind nicht zu erwarten”), erübrigte sich das im Verlauf der Sommerpause. Ungeachtet der Tatsache, dass durch die hohe Zahl der Nationalspieler eine überdurchschnittlich belastete und wenig vorbereitete Mannschaft zum Saisonbeginn in die Liga starten wird gab es keinen einzigen eingehenden Transfer (abgehend Lell und Rensing – sonst wer?). Einzig Rückkehrer aus Ausleihgeschäften gab es: Toni Kroos (Leverkusen, war bei der WM dabei – kurze Vorbereitung) , Edson Braafheid (Glasgow, WM für die Niederlande) und Breno (1. FCN, Kreuzbandriss, frühestens zur Rückrunde voll einsatzbereit).
Als weiterer Abgang steht evtl. noch Martin Demichellis ins Haus, der – vielleicht zu Recht – nicht mehr zum Stammteam von Luis van Gaal gehört. Er ist zweifelsohne ein hochklassiger IV, bleibt jedoch selten ohne große Patzer die teilweise nicht zu verzeihen sind. Sein Kollege Daniel van Buyten ist ihm da leider nicht ganz unähnlich, wenngleich die Auswüchse nicht ganz so extrem sind bei ihm. Neben dem verletzten und bisher beim FCB nicht sonderlich glänzenden Breno ist da noch Holger Badstuber, der zweifelsohne eine hervorragende Entwicklung nimmt, aber halt auch erst 20 Jahre alt ist und entsprechend oft zeigt, dass man in diesem Alter Fehler macht und machen muß.
Die beiden Außenverteidiger kommen aus den eigenen Reihen. Philipp Lahm – seit Jahren gesetzt evtl. nicht immer in Topform aber unterm Strich eine wichtige Konstante – nicht diskutabel. Auf der anderen Seite Diego Armando Contento. Auch erst 20, ein großes Talent aber eben auch nicht frei und Fehlern und manchmal einfach mit einem schlechten Tag. Beide sicher tauglich, aber ersatzlos. Eine Verletzung von Philipp Lahm würde Hamit Altintop auf den Plan rufen müssen. Er ist die einzige Alternativ als rechter Außenverteidiger im Stammkader der Profimannschaft. Weitere Alternativen kommen aus der zweiten Mannschaft ohne jegliche Profierfahrung. Sicherlich sind darunter große Talente nur ob das jetzt mit jedem Nachwuchsspieler so gut funktioniert wie mit Müller und Badstuber darf hinreichend bezweifelt werden. Das wird ein Stück weit auch schon bei Contento und Alaba deutlich. Während Contento sich noch halbwegs gut macht hatte Alaba bei seinen wenigen Einsätzen auch schon größere Patzer – man erinnere sich nur an das Spiel in Frankfurt im letzten Jahr.
Wie geht’s also in Zukunft weiter beim FC Bayern? Vorrangiger Einsatz von Jugendspielern und keine großen Ausgaben am Trasnfermarkt? Sicher eine begrüßenswerte Einstellung die vor allem so manchem Anti-Bayern-Kameraden einiges an Wind aus den Segeln nehmen dürfte. In der Wirklichkeit aber auf Dauer sicher nicht durchsetzbar. Auch bei einer verstärkten Jugendarbeit wird man nicht umher kommen sich weiter punktuell mit Weltklasse zu verstärken. In der Sturmspitze und mit einem flexiblen AV (rechts/links) wäre evtl. ein guter Anfang zu machen.
…zumindest wenn man beide nationalen und noch den internationalen Titel im Auge behalten will.
Noch sind 2 Tage Zeit.
P.S.: Das ist der erste Blogbeitrag den ich auf dem iPad geschrieben habe. Rechtschreibfehler dürft ihr behalten, holprige Formulierungen ebenfalls – ich les’ den jetzt nicht nochmal durch ![]()
Am kommenden Freitag – also Übermorgen – ist endlich wieder Bundesliga. Nachdem es am Montag für den FCB mit dem ersten Pflichtspiel im Rahmen des DFB-Pokals zum ersten mal wieder ernst wurde, beginnt am Freitag endlich wieder der Regelbetrieb. So eine Sommerpause ist schon nix schönes – auch wenn sie aufgrund der WM verhältnismäßig kurz war – zu kurz, wenn es nach King Louis geht, dem mit seiner Mannschaft wenig Zeit für die Vorbereitung blieb.
Am morgigen Freitag wird in Deutschland das Derby-Wochenende eingeleitet. Zuerst treffen der FC Schalke 04 und Borussia Dortmund aufeinander. Am Samstag folgen dann Köln und Leverkusen und am Sonntag schließlich treffen im letzten Spiel des Spieltags im Nord-Süd-Derby der FC Bayern München und der Hamburger SV aufeinander.
