Ja genau, auch ich wollte noch ein Sammer-Wortspiel anbringen. Ist ja trendy in diesen Tagen. So selten wie ich in den letzten 2 Jahren blogge dürfte außerdem klar sein, dass mir etwas auf dem Herzen liegt. Genauer gesagt sind das zwei Dinge.
Nerlinger geht, Sammer kommt
Heute Nachmittag ist die offizielle Vorstellung von Matthias Sammer als neuer Vorstand Sport beim FC Bayern München. Christian Nerlinger wurde als Sportdirektor entlassen. Ich halte das für eine gute Entscheidung, hätte Sammer auch im letzten Jahr schon als Trainer befürwortet. Ich glaube er wird dem FC Bayern gut tun – in vielerlei hinsicht. Einerseits als starke Persönlichkeit, die Christian Nerlinger vermutlich nie geworden wäre. Andererseits als akribischer, professioneller Arbeiter. Die Form der Professionalität die man bei einem Club der Größe und Popularität eines FC Bayern oft mal vermisst hat.
Leider gibt’s im Umfeld dieses “Wechsels” wieder viel gerede von Titeln und eben den nicht erreichten, allerdings interessiert mich Sammers Arbeit in erster Linie langfristig. Er sollte in der Lage sein dem FC Bayern die lange von Fans und Vorstand ersehnte spielerische Identität einzupflanzen. Sowas dauert allerdings gerne auch mal 5 Jahre oder mehr – man sollte hier also nicht in der kommenden Saison schon spielerische Wunder erwarten.
Dann das zweite Thema, das gerne zusammen mit Sammer auf den Tisch gelegt wird…
Die leidige Führungsspielerdebatte
Kaum ein Thema in Fußballdeutschland über das nachhaltig derart schwarz/weiss diskutiert wird als das. Auf der einen Seite die immer wieder gern erwähnten Effenbergs, van Bommels und Kahns die sich der interessierte Zuhörer dann am besten Hulk-gleich mit zerrissenem Trikot und in Beisser-Manier vorstellen soll und auf der anderen Seite die leisen Fußballkünstler verlgeichbar mit dem Ballett-Ensémble der bayerischen Staatsoper die Schmetterlingstreichelnd über den Grashalmen schweben. Ja wo Sammer denn? (*strike*, noch eins)
Meine persönliche Meinung: Es braucht Führungsspieler, und zwar einen in jedem Körper der auf dem Platz steht. Was uns gegen Italien oder Chelsea (man ergänze hier gerne irgendwelche Mannschaften gegen die eine Nationalelf oder der FC Bayern in den letzten zwei Jahren verloren hat) tatsächlich wiederholt gefehlt hat waren Eier. Aber nicht die Eier einzelner Spieler die dann brüllend über den Platz grätschen sondern die sprichwörtlichen Eier im Kopf eines jeden Spielers. Man nennt das eventuell auch Verantwortungsbewusstsein – von mir aus auch ein Stück weit Siegeswille – das “absolut” darf dabei gerne weggelassen werden. Dass im Finale der Champions League keiner so recht Elfmeter schiessen wollte ist bezeichnend, der Auftritt gegen Italien ebenfalls.
Vergleiche mit nicht vorhandenen Führungsspielern bei Barcelona, Dortmund oder der spanischen Nationalmannschaft bestätigen im Grunde genau das. Denen fehlen zwar auch die klassischen Führungsspieler, allerdings ist ihrem Spiel anzumerken, dass sie selbige gar nicht brauchen – Und das nicht nur wegen ihrer spielerischen und taktischen Fähigkeiten sondern in erster Linie wegen der Moral und der Motivation die ihnen innewohnt.
Was den FC Bayern angeht bin ich überzeugt, dass Matthias Sammer bei der Behebung dieses Problems eine entscheidende Rolle spielen kann. Er steht nicht für die bisher gern als “Kuschelkurs” bezeichnete leichte Umgangsform. Er dürfte dem FC Bayern intern wie extern ein schärferes Profil verleihen und ggf. auch entsprechend auf die Mannschaft einwirken – sei es durch Spielerverpflichtungen die diesen Weg unterstützen oder durch eigene Ansprachen und andere Änderungen.
Für die Entwicklung der Nationalmannschaft in dieser Hinsicht ist die Entwicklung beim FC Bayern sicherlich nicht ganz uneherblich, kann man doch davon ausgehen, dass auch 2014 ein nicht unerheblicher Teil des Kaders aus FCB-Spielern besteht.